Geschichte der Zahntechniker-Innung Thüringen
1990 bis 2010 - 20 Jahre ZIT
1989/90, in der Wendezeit, herrschte große Verunsicherung unter den im staatlichen Gesundheitsdienst tätigen Zahntechnikern. Die 3 Obermeister aus den Bezirken Erfurt, Wolfgang Zierow, Gera, Thomas Breest und Suhl, Jörg Hempel, nahmen Kontakte zu anderen Innungen und Obermeistern, aus dem gesamten Bundesgebiet auf. Viele Kollegen aus den alten Bundesländern boten ihre Hilfe an, so der damalige Präsident des VDZI (Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen), Eberhard Schütz, oder die Obermeister der Hessischen Innung, Klaus Kanter und der Kasseler Innung, Heinrich Rappe sowie der Innung Rheinland-Pfalz Obermeister Manfred Geisel und stv. Obermeister Manfred Heckens.
1990 fanden die ersten Versammlungen in Vorbereitung der Innungsgründung in Thüringen statt, welche dann mit 20 Gründungsmitgliedern am 17.10.1990 im Gildehaus Erfurt erfolgte. Auf Anraten von Herrn Eberhard Schütz (VDZI) wurden in Thüringen nicht 3 Bezirksinnungen, sondern eine Landesinnung gegründet, um bei Vertragsverhandlungen eine unnötige Zersplitterung zu vermeiden.
Die erste Geschäftsstelle unserer Innung befand sich in Nordhausen, in der Karolinger Str.34. Hauptaufgabe war damals die Erarbeitung der Innungssatzung und die Installation des Dualen Systems bei der Berufsausbildung. Bald wurden die Gesellenprüfungsausschüsse für Thüringen errichtet.
Mit Unterstützung der Handwerkskammer Erfurt und dem VDZI wurde in Weimar die erste Meisterschule für das Zahntechniker-Handwerk gegründet und ein Meisterprüfungsausschuss berufen. Der Aufbau der Meisterschule war von großer Bedeutung, da die Führung von Handwerksbetrieben (Zahntechnische Labore) nach Ablegung der Meisterprüfung dem Handwerksrecht Geltung verschaffte. Viel Neuland gab es Anfang der 90er Jahre zu beschreiten - heraus aus der Mangelwirtschaft und hin zu neuen Techniken und Materialien.
Am 06.01.1992 trat die Zahntechniker-Innung Thüringen dem Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen bei. Nachdem dieser zunächst die Vergütungsverhandlungen für die Innungen der Neuen Bundesländern übernommen hatte, wurden später auf Landesebene Vergütungs- und Verhandlungskommissionen gebildet, die dann in eigener Verantwortung tätig waren.
1996 zog unsere Geschäftsstelle in ihr jetziges Domizil, die Neustadtstr. 6 in Nordhausen, um.
Ein Höhepunkt und zugleich eine Ehre für unsere Innung war die Ausrichtung des 40. Verbandstages des VDZI in Weimar im Mai 1996.
Im November 1996 wurde das Berufsbildungszentrum (BBZ) der Handwerkskammer Erfurt eröffnet. Der Aufbau und die Entwicklung der Gesellen- und Meisterausbildung war Voraussetzung dafür, die Handwerksstrukturen in die richtigen Bahnen zu lenken. Mit der Gründung des Berufsbildungszentrums der HWK Erfurt war nun die Möglichkeit der beruflichen Fortbildung gegeben. Seit 1997 können alle Auszubildenden des Zahntechniker-Handwerks aus ganz Thüringen ihre Zwischen- bzw. Gesellenprüfungen im BBZ ablegen. Auch die überbetrieblichen Lehrunterweisungen (ÜLU) und Weiterbildungskurse finden in diesem Gebäude statt.
Zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen wurden und werden von unserer Innung initiiert und durchgeführt, so z.B. die Thüringer Zahntechnikertage, die im 2-Jahresrhythmus stattfinden. Ein wichtiges Ereignis in dieser Tradition war der 4. Thüringer Zahntechnikertag im Jahr 2000, der unter dem Motto „Zahnmedizin 2000“ stand. Es handelte sich hierbei um die erste gemeinschaftliche Weiterbildungsveranstaltung der Zahnärzte, der Zahnarzthelferinnen und der Zahntechniker, die das gemeinsame Ziel einer guten Zahnheilkunde zum Wohle der Patienten unterstrich.
Dank der „Reformfreudigkeit“ der Regierung hatte sich das Zahntechnikerhandwerk in den zurückliegenden Jahren schon oft auf neue betriebswirtschaftliche Veränderungen einstellen müssen. Als Folge der Ausgliederung aus der RVO stellten sich 1998 die Betriebe ganz schnell vom Sachleistungsprinzip auf das Festzuschusssystem um. 1999 erfolgte wieder die Kehrtwende zum System mit BEL I und bereits im Jahr 2000 wurde auf das BEL II umgesetzt, welches zum 01.01.2001 in Kraft trat.
Mit dem Jahr 2000, dem neuen Jahrtausend begann eine gewisse Aufbruchstimmung. Der Beruf des Zahntechnikers sollte in der Öffentlichkeit bekannter gemacht werden. Hierzu diente die gemeinschaftliche Aktion der Zahnärzte, Zahntechniker, der Dentalindustrie und des Dentalhandels, die Initiative proDente.
In der Politik wurden weitere Reformen im Gesundheitswesen durchgesetzt. So brachte man die GKV-Gesundheitsreform 2000 auf den Weg. 2002 beschließt der Bundestag die Absenkung der BEL – Preise für zahntechnische Leistungen um 5%. Die Zahntechniker wehren sich. Die Solidarität eines ganzen Handwerks zeigt sich in der Großdemonstration im November vor dem Brandenburger Tor. Zahntechniker aus Thüringer Betrieben, Mitarbeiter der Geschäftsstelle und des Vorstandes der Innung sind dabei. Zahlreiche Gespräche mit Bundestagsabgeordneten werden fortgeführt. Die ostdeutschen Innungen geben eine gemeinsame Presseerklärung gegen die geplante Absenkung heraus. Die Absenkung kann nicht verhindert werden, es bleibt die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht.
Januar 2003 gründet sich in Berlin die Kooperationsgemeinschaft Ostdeutscher Zahntechniker-Innungen mit dem Ziel, einer Anpassung der Vergütung an das Niveau der westdeutschen Innungen.
Am 17. Oktober 2003 wird der Gesetzentwurf zur Gesundheitsreform 2004/05 verabschiedet. Danach sollen Versicherte ab 2005 statt einem prozentualen Zuschlag für Zahnersatz einen nach Befund orientierten Festzuschuss erhalten.
01.01.2004 - Ein neues BEL II, unter Berücksichtigung veränderter Zahnersatzrichtlinien, tritt in Kraft. Leistungen werden gestrichen, einige neu eingeführt oder ändern sich im Inhalt.
01.01.2005 - In der Zahnmedizin wird ein verändertes Zuschusssystem in Kraft gesetzt. Das Prinzip der Sachleistung wird ersetzt durch das Prinzip der Kostenerstattung, mit Regel- und Wahlleistung.
Ein positives Signal der Politik war die zeitgleiche Anpassung der BEL-Preise Ost auf 95 % Westniveau zu 100 % Bundesmittelpreis (Korridor 95% bis 105 %). Diese Angleichung war für unsere Betriebe Überlebens notwendig, denn die neuen Regelungen durch den Gesetzgeber haben mit der Einführung der Festzuschüsse Anfang des Jahres 2005 unser Handwerk in eine Existenz bedrohende Situation gebracht. Auftragsrückgänge und Umsatzeinbrüche waren die Folge. Nur im Konsens der Zahnärzte und Zahntechniker, durch gemeinsame Schulungen durch KZV und Innung und gemeinsame Aufklärung und Information der Patienten ist dem neuen System, eine Chance gegeben. Forderungen hinsichtlich Nachbesserungen des Systems wurden von Seiten der Innungen und des VDZI auf Landes- und Bundesebene gestellt.
Die Zahntechniker stehen vor neuen Herausforderungen, um in der Zeit der Umstrukturierung im Gesundheitswesen, der Globalisierung und der sich öffnenden Märkte, im härter werdenden Wettbewerb bestehen zu können. Immer mehr ausländische Anbieter drängen mit Billigangeboten auf den deutschen Markt. Wo bleiben hierbei die Vorteile des deutschen Handwerks? Die Stärke und gleichzeitig auch eine Chance für die Zukunft sind einmal gegeben durch die Standortvorteile und liegen zum anderen in der guten partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Zahnärzten und dem Wissen um die Bedürfnisse der Patienten.
Das Handwerk verändert sich, computergestützte Technologien halten Einzug in der Zahntechnik, dentale Fräszentren entstehen. Bei dieser Entwicklung dürfen die Zahntechniker die Marktanteile nicht an die Industrie verlieren, daher unterstützt und appelliert die Innung an die Zusammenarbeit der Kollegen untereinander. Regelmäßig werden im Innungs-Rundschreiben die regionalen Fräszentren unserer Mitgliedsbetriebe mitgeteilt.
Meisterliche Qualitätsarbeit, geprüfte Materialien und höchste Ansprüche an Präzision und Ästhetik, jedes individuell gefertigten Zahnersatzes, sind gefragt. Der Aufbau eines Qualitäts- Sicherungs-konzeptes ist ein Weg, den die Zahntechniker in Deutschland zukünftig gemeinsam gehen könnten.
29.11.2006 – Auftaktveranstaltung zu QAMZ – dem Markenkonzept für Innungsfachbetriebe mit dem Qualitätssicherungskonzept QS – Dental als markenbildendes Element zur MV des VDZI in Berlin.
20.04.2007 – Vorstellung des Konzeptes durch den Generalsekretär Walter Winkler zur Mitgliederversammlung der ZIT im Vortrag: „Dachmarke = Chance für Innungsbetriebe“.
Die wirtschaftlich angespannte Situation in den Thüringer Dentallaboren fordert ihren Preis. Immer weniger Ausbildungsplätze werden durch die Betriebe bereitgestellt. Die Thüringer Innung richtet einen Appell zur Ausbildung neuer Lehrlinge an die Mitglieder. Einer der drei Schulstandorte, der seit Jahren unterfrequentierte Klassenstärken verzeichnet, ist für die Zahntechnikerausbildung in Thüringen gefährdet.
August 2007 ist es zur bitteren Tatsache geworden, in der Berufsschule Gera dürfen keine neuen Auszubildenden für das Zahntechniker-Handwerk mehr aufgenommen werden, nur die noch laufenden Ausbildungsjahrgänge werden zum Berufsabschluss geführt. Die Zurückhaltung in der Ausbildungsbereitschaft der letzten Jahre, Abwanderung junger Menschen aus Thüringen und schließlich der Geburtenrückgang haben ihren Teil dazu beigetragen.
Verantwortungsbewusste Unternehmenspolitik der Betriebsinhaber, durch Verbesserung der Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitszeiten, Qualifikation der Mitarbeiter und Ausbildung des Berufsnachwuchses sichert den Fachkräftebedarf, den wir heute und in Zukunft brauchen. Die Verantwortlichen der Innung sind sich bewusst, dass die Zukunft des Handwerks in der Ausbildung junger Fachleute liegt. Verstärkt rückt daher die Öffentlichkeitsarbeit der Innung, durch Unterstützung und Förderung von Messebeteiligungen, Teilnahmen an Berufsmessen, Bildungsmessen, Gesundheitsmessen sowie Präsenz zu den Thüringentagen in den Vordergrund.
April 2008 – Die Mitgliederversammlung beschließt den Austritt der ZIT aus dem Thüringer Handwerkstag e.V. Grund war wiederholte voreilige Erteilung von Ausnahmegenehmigungen zur Führung eines Dentallabors ohne Meisterqualifikation durch die Handwerkskammer Gera.
17.10.2008 - Vorstellung der neuen BEB Zahntechnik zur Mitgliederversammlung der ZIT vorgestellt. Die BEB Zahntechnik, ist ein umfassendes Fachverzeichnis. Es definiert die bundesweit einheitlichen zahntechnischen Leistungen. Anhand von arbeitswissenschaftlich fundierten Planzeiten, unter Einbeziehung der neuesten verfahrenstechnischen Entwicklungen, wird es mit der BEB möglich, betriebsinterne Herstellungsprozesse zu prüfen und zu optimieren.
24.04. 2009 – Zur Frühjahrs-Mitgliederversammlung der ZIT wird den Mitgliedern das innungseigene Hersteller-Zertifikat: „Qualitätszahnersatz aus Meisterhand“ vorgestellt.
Die Thüringer Innung unterstützt die am 01.01.2010 beginnende Image-Kampagne des Handwerks. „Das Handwerk = Die Wirtschaftsmacht von nebenan“. Im Innungsrundschreiben und Versammlungen wird auf den aktuellen Stand der Kampagne eingegangen und an die Beteiligung und Unterstützung durch die Innungsbetriebe appelliert. Die Kampagne fördert den Stellenwert des Handwerks.
Februar 2010 – Kammerpräsident der Landeszahnärztekammer, Dr. Andreas Wagner und Obermeister, Wolfgang Zierow unterzeichnen den Kooperationsvertrag zur Vorbereitung des anstehenden 10. Thüringer Zahnärzte und 9.Thüringer Zahntechnikertag. Die Vorbereitung eines anspruchsvollen Programms, als gute Investition in die fachliche Fortbildung, wird eingeleitet.
02.06.2010 – Präsident Rolf Ostermann begrüßt den Wiedereintritt der Zahntechniker-Innung Thüringen in den Thüringer Handwerkstag zur Mitgliederversammlung des THT e.V. im Berufs- und Technologiezentrum in Rohr und überreicht die Mitgliedsurkunde.
29.10.2010 – Jubiläums-Mitgliederversammlung der ZIT
„Unter dem Schirm der Innung – 20 Jahre Zahntechniker-Innung Thüringen“ - Mit einem brillanten Vortrag von Prof. Lenz zum Thema „Zahnärztliche Prothetik und Zahntechnik in bewegten Zeiten“, einem Highlight für die anwesenden und musikalischer Umrahmung durch eine Erfurter Nachwuchsband, ist das Jubiläum für alle Anwesenden zu einem wahren Höhepunkt geworden.
Bilder und Impressionen aus über 20 Jahren Innungsgeschichte für Sie zum Download
Teil1-1 1990-1992.pdf (626,7 kB)
Teil1-2 1994-1998.pdf (1,5 MB)
Teil1-3 1999-2000.pdf (1,5 MB)